Gemeindereferentinnen Bundesverband

von Gabriele Greiner-Jopp

Bericht von der Mitgliederversammlung des Berufsverbandes der Gemeindereferentinnen der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die am 31.03.2014 in Stuttgart-Bad Cannstatt stattfand:

 „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts“,

sagte einst Bischof Gaillot; und

 „Evangelisieren ist Schwerstarbeit“,

meint der Apostel Paulus!

Diese beiden Aussagen bringen auf den Punkt, womit sich die Mitglieder im Studienteil am Vormittag, unter dem Titel: „Leitungsämter in der frühen Kirche für Frauen, für Laien – Impulse für heute“ auseinandergesetzt haben. Referentin war Dr. Bettina Eltrop vom Katholischen Bibelwerk Stuttgart. Hier nun eine kurze Zusammenfassung der inhaltlichen Auseinandersetzung und Diskussion:

Ausgangspunkt aller Überlegungen ist die Praxis Jesu. Bei ihm waren Frauen Jüngerinnen und Schülerinnen. Sie folgten ihm nach indem sie dienten, wie Jesus den Menschen diente. Siehe dazu: Mk 15,40 ff, Mk 1,30 f, Lk 8,1 ff; Frauen sind Zeuginnen und Botinnen der Auferstehung, sind also de facto Apostel: Mk 16,1-8, Mt. 28,1-10, Lk 24,1-12, Joh 20,1-18; Maria Magdalena wird sogar „Apostola apostolorum“ genannt. Die Struktur der Jesus Bewegung war geschwisterlich und nicht hierarchisch, was vor allem in Mk 3,23 deutlich wird. Wir befassten uns auch mit der Praxis des Apostels Paulus und da besonders mit den Versen in Röm 16,1-15. Dort ist von zahlreichen Frauen die Rede. Sie werden Diakonin, Patronin und Schwerstarbeiterinnen genannt. Von Schwerstarbeit spricht Paulus auch bei sich, wenn er das Evangelium verkündet. Der Deuteropaulinische Timoteusbrief, hier besonders 1 Tim 5, muss gegen den Strich gelesen werden, um herauszufinden, dass schon früh gegen Frauen polemisiert wurde und ihre Ämter – hier das der Gemeindewitwen – aus der frühen Kirche verdrängt wurden. Wie die Prophetinnen, sind die Gemeindewitwen, die Lohn erhielten, frühe, schnell verlorene Ämter in der Kirche. Gegen das jüdische Ämtermodell, das mehr prophetisch geprägt war, setzte sich das Hellenistische Modell durch, das viel stärker hierarchisch war – und ja bis heute ist.

Für die Bibelwissenschaftler ist klar, dass sich aus der Praxis Jesu keine Ämter und keine hierarchische Struktur ableiten lassen. Seine Praxis war die Diakonie und darin bestand für ihn Nachfolge. Das Argument, dass Jesus nur die 12 Jünger zu Aposteln berufen habe und deshalb keine Frauen zu Priesterinnen geweiht werden könnten, haben schon Karl Rahner und weitere Theologen, die nicht im Verdacht stehen Feministen zu sein, entkräftet.

Insgesamt scheint die Zeit gekommen, sich mit dem Ämterverständnis der Kirche, dem Begriff der „Laien“ und dem „Volk Gottes“ und seiner Würde, wieder neu zu befassen. Im  Schreiben „Evangelii gaudium“ von Papst Franziskus und dort in den Artikeln 102, 103 und 104 deutet sich in Ansätzen ein neues Verständnis vom Volk Gottes und von der Würde der Frauen an.

Fazit: Die biblischen Befunde können alle Frauen – und Männer – stärken, die im Dienst und in der Nachfolge Jesu Christi bereit sind, Schwerstarbeit zu verrichten. In welcher Funktion auch immer.

Der Nachmittag war dem Konferenzteil gewidmet.

Durch die verschiedenen Berichte wurde die breite Vernetzung des Berufsverbandes deutlich. Positiv wahrgenommen wurde die Entscheidung der Rottenburger Diözesanleitung ab 2015 ein für alle pastoralen Dienste verpflichtendes Fortbildungscuriculum zu entwickeln. Der Abschluss des Projektes Gemeinde mit der geplanten Umsetzung des Projekts in Transfer-Gruppen fand breites Interesse. Unsere Vertreterin Susanne Walter wird hier weiter mitarbeiten. Die Kassenführerin legte ihren Bericht vor und wurde entlastet. Unsere Spenden an Projekte in Afrika und Indien, in denen Gemeindereferentinnen aus unserer Diözese  beteiligt sind, fanden dort je ein positives Echo.

Letzter Tagesordnungspunkt waren die Wahlen. Der Vorstand und die Delegierten für den Bundesverband mussten neu gewählt werden. Gabriele Greiner-Jopp und Raphael Schäfer (Vorstand), sowie Elvira Schlichting (Bundesdelegierte) stellten sich nach mehreren Amtsperioden nicht mehr zur Wahl. Der Wunsch des alten Vorstandes, jüngere Berufsmitglieder zu gewinnen, erfüllte sich. Den neuen Vorstand bilden: Beate Fischer, Gabriele Fischer, Claudia Röder (neu), Ulrike Roth und Nicole Schmieder (neu). Delegierte für den Bundesverband sind: Gabriele Fischer, Cornelia Krieg (neu), Monika Prillwitz und Ulrike Roth; Ersatzdelegierte sind zukünftig Beate Fischer und Dorothea Ackva-Bleistein.