Gemeindereferentinnen Bundesverband

Meilenstein in der Verbandsgeschichte!?

von Verena Baader

Einen mutigen Schritt wagte die Mitgliederversammlung des Berufsverbandes Freiburg in ihrer Frühjahrskonferenz am 13. Februar in Karlsruhe. Mit großer Mehrheit wurde entschieden, dass der Verband eine Referentenstelle mit 20 % schafft, die vor allem den Vorstand entlasten und zur Qualifizierung der Verbandsarbeit eingesetzt werden soll.

Schon lange und immer wieder war es Thema: Man möge doch überlegen, ob nicht eine Teilzeitstelle „Geschäftsführung“ geschaffen wird. Denn, wenn der Verband an aktuellen berufspolitischen Fragestellungen „dran“ sein möchte, wenn er sich profund und professionell positionieren will, wenn er gut vernetzt und informiert sein möchte, dann ist das ehrenamtlich kaum zu schaffen.

Der aktuellen Vollversammlung lag nun eine Konzeption für eine solche Referentenstelle vor. Sie war von einer Arbeitsgruppe unter der Leitung der Mitglieder Georg Grädler und Stephan Schwär erarbeitet worden. Die Stelle soll sowohl aus der Erhöhung der Mitgliedsbeiträge als auch aus Rücklagen finanziert werden. Sie wird für zwei Jahre eingerichtet. Im Frühjahr 2016 soll der Vorstand den Mitgliedern eine Bilanz zu dieser Stelle und zum Beschäftigungsverhältnis vorlegen. Erst dann – und nach Vorbereitung der entsprechenden Beschlussvorschläge, soll die Satzung daraufhin verändert und die Weiterführung der Stelle beschlossen werden.

Vielleicht wurde dieser Vorlage – in Verbindung mit Beitragserhöhungen - so einhellig zugestimmt, weil es im inhaltlichen Teil, vor den Verbandsregularien, vor allem um die Prävention von Burnout ging. Der Vorsitzende des Freiburger Bündnisses gegen Depression e. V., Prof. Dr. Gunther Haag (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Facharzt für Psychosomatische Medizin) ging in seinem Vortrag vor allem auf die Differenzierung von Burnout und Depression ein. Burnout, gesellschaftlich akzeptiert und fast schon zum Trend geworden, ist nicht als Krankheitsbild anerkannt. Burnout ist, so Haag, bedingt durch die Arbeitswelt und deshalb Aufgabe der Gesellschaft und nicht des Gesundheitssystems. Depression hingegen ist auch heute noch stigmatisiert und wird als Krankheit nicht selten verdrängt. Gesellschaftlich bekommt Burnout das neue Label “Krankheit der Starken (Helden der Arbeit)“ während Depression als „Krankheit der Schwächlinge“ abgetan wird. Auch Seelsorger/innen können dazu beitragen, die Krankheit Depression zu thematisieren und so aus der Tabuzone herauszuholen.

Individuelle Risikofaktoren für Burnout sind überhöhter Leistungsanspruch an Qualität und Quantität der eigenen Arbeit, hohe Verausgabungsbereitschaft, Selbstwertprobleme, fehlende Fähigkeit sich abzugrenzen, erlernte Hilfslosigkeit, ungünstiges Gesundheitsverhalten und mangelnde Coping-Strategien (Bewältigungsstrategien). Somit gilt es gerade auch in den pastoralen Arbeitsfeldern sensibel zu sein für die Seelsorge nach innen wie nach außen.

Von großem Interesse bei den Mitgliedern waren die Ausführungen zum „Team-Burnout“. Dies tritt vor allem ein, so Haag, wenn Teammitglieder mit der Haltung arbeiten „Es nützt ja ohnehin nichts!“. Aber auch das Empfinden von Überforderung oder „Sisyphosarbeit“ können Indikatoren von Team-Burnout sein. In den aktuellen kirchlichen Entwicklungen, die mit Rollendiffusionen und hoher Arbeitsbelastung einhergehen, lauern Gefahren, die wahrgenommen und offensiv thematisiert werden müssen. Engagiert plädiert Prof. Haag für die Fähigkeit und die Möglichkeit sich abgrenzen zu können. „Auszeit heißt Auszeit!“ so einer seiner Präventionsvorschläge.

Erfreulicherweise kann nach dieser Mitgliederversammlung auch der Vorstand wieder in voller Besetzung arbeiten. Sigrun Gaa-de Mür, Gemeindereferentin in der Seelsorgeeinheit Brühl-Ketsch, wurde zur 1. stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Sie ist bereits berufsverbandserfahren, da sie die Gründung des Verbandes vor gut 20 Jahren mit auf den Weg gebracht hat. Sie besetzt damit die Stelle, die seit dem Ausscheiden von Stefanie Paulsburg im Oktober 2013 vakant war.

Mitgliederversammlung in Karlsruhe 2014.
Professor Hag.
Mitgliederversammlung in Karlsruhe 2104.
Der neue Vorstand.
Der neue Vorstand.